
Ein Girokonto ist in Deutschland die Basis für das gesamte Finanzleben. Ohne Girokonto kein Gehalt, keine Mietzahlungen, kein Online-Shopping und kein Zugang zu anderen Finanzprodukten. Für Neuankömmlinge und Expats ist die Kontoeröffnung oft der erste und wichtigste Schritt nach der Ankunft in Deutschland – und gleichzeitig einer, der überraschende Hürden haben kann. Gleichzeitig ist der deutsche Bankenmarkt enorm vielfältig: Von kostenlosen Online-Konten über traditionelle Filialbanken bis hin zu modernen Neobanken gibt es Dutzende von Optionen. In diesem Beitrag erklären wir dir ausführlich, worauf du bei der Wahl eines Girokontos achten musst, welche Konten kostenlos sind, was Expats besonders beachten müssen und welche Bank sich für welche Situation am besten eignet.
In Deutschland läuft fast der gesamte Zahlungsverkehr über Bankkonten. Anders als in manchen anderen Ländern ist die Nutzung von Bargeld zwar weit verbreitet, aber für viele alltägliche Transaktionen unzureichend:
Gehaltszahlung: Arbeitgeber überweisen Gehälter in Deutschland per Banküberweisung – eine Barzahlung ist unüblich und in größeren Unternehmen kaum möglich.
Miete: Vermieter erwarten fast ausnahmslos die Mietzahlung per Überweisung oder SEPA-Lastschrift.
Behörden: Für Sozialleistungen, Steuererstattungen und andere staatliche Zahlungen ist ein deutsches Bankkonto erforderlich.
Online-Shopping: Für Einkäufe bei Amazon, Zalando und anderen Online-Händlern wird in Deutschland eine Bankverbindung oder eine daran geknüpfte Zahlungsmethode benötigt.
Weitere Finanzprodukte: Für die Eröffnung eines Tagesgeldkontos, eines Depots für ETF-Sparpläne oder für den Abschluss von Versicherungen wird in der Regel ein deutsches Girokonto als Referenzkonto benötigt.
Der deutsche Bankenmarkt bietet verschiedene Arten von Girokonten:
Direktbanken – auch Online-Banken genannt – haben keine Filialen und wickeln alles digital ab. Das ermöglicht ihnen deutlich niedrigere Betriebskosten, die sie in Form von kostenlosen Konten und attraktiveren Konditionen an die Kunden weitergeben.
Die bekanntesten Direktbanken in Deutschland sind DKB (Deutsche Kreditbank), ING, Comdirect und N26. Direktbanken sind für die meisten Menschen, die kein persönliches Beratungsgespräch benötigen, die erste Wahl.
Neobanken wie N26, Revolut oder Bunq sind die jüngste Generation von Bankanbietern. Sie bieten innovative App-Funktionen, oft keine Kontoführungsgebühren und sind besonders auf die Bedürfnisse mobiler, digital affiner Nutzer ausgerichtet.
Für Expats sind Neobanken oft besonders attraktiv – sie ermöglichen schnelle Kontoeröffnung ohne bürokratischen Aufwand, günstige Auslandstransaktionen und intuitive Apps in mehreren Sprachen.
Filialbanken – also klassische Banken mit Filialnetz – wie Deutsche Bank, Commerzbank, Volksbanken und Sparkassen bieten persönliche Beratung vor Ort. Der Nachteil: Die Kontoführungsgebühren sind in der Regel höher als bei Direkt- und Neobanken.
Für Menschen, die Wert auf persönlichen Kontakt legen oder komplexe Bankdienstleistungen wie Baufinanzierungen benötigen, können Filialbanken trotzdem sinnvoll sein.
In Deutschland gibt es viele kostenlose Girokonten – also Konten ohne monatliche Kontoführungsgebühr. Diese sind in der Regel die bessere Wahl für die meisten Menschen, da es kaum einen triftigen Grund gibt, für ein Girokonto zu zahlen.
Allerdings haben kostenlose Konten manchmal Bedingungen: Manche Banken verlangen einen monatlichen Mindestgeldeingang (zum Beispiel 700 oder 1.000 Euro) – wenn dieser nicht erfüllt wird, fallen Gebühren an. Andere kostenlose Konten sind wirklich bedingungslos kostenlos.
Bei der Entscheidung solltest du folgende Kosten im Blick haben:
Kontoführungsgebühr: Idealerweise null. Manche Banken verlangen 4 bis 10 Euro monatlich.
Debitkarte: Sollte kostenlos im Konto enthalten sein.
Kreditkarte: Manche Banken verlangen für eine Kreditkarte eine Jahresgebühr – oder bieten sie kostenlos an.
Bargeldabheben: Sollte zumindest an bestimmten Automaten kostenlos sein. Viele Direktbanken ermöglichen kostenloses Abheben deutschlandweit oder sogar weltweit.
Überweisungen und Daueraufträge: In Deutschland sind Online-Überweisungen bei fast allen Banken kostenlos.
Für Expats und Neuankömmlinge in Deutschland gibt es einige besondere Herausforderungen bei der Kontoeröffnung: fehlende SCHUFA-Historie, Sprachbarriere und manchmal noch kein fester Wohnsitz in Deutschland.
DKB (Deutsche Kreditbank): Die DKB ist eine der beliebtesten Banken für Expats in Deutschland. Das DKB-Konto ist kostenlos, bietet eine Visa-Debitkarte mit kostenlosem weltweitem Bargeldabheben und ist vollständig online verwaltbar. Die Kontoeröffnung ist auch ohne SCHUFA-Historie möglich, und der Antragsprozess ist klar strukturiert.
N26: Die Neobank N26 ist bekannt für ihre einfache und schnelle Kontoeröffnung per App – oft innerhalb von wenigen Minuten abgeschlossen. Die App ist auf Englisch verfügbar, was für Expats am Anfang hilfreich ist. Das Basiskonto ist kostenlos.
ING: ING bietet ebenfalls ein kostenloses Girokonto und ist für seine benutzerfreundliche Banking-App bekannt.
Filialbanken für persönliche Beratung: Wenn du die persönliche Unterstützung beim Start in Deutschland schätzt, kann eine Filialbank wie die Sparkasse oder Commerzbank sinnvoll sein – obwohl dort in der Regel Kontoführungsgebühren anfallen.
Die genauen Anforderungen variieren je nach Bank, aber folgende Dokumente werden in der Regel benötigt:

Personalausweis oder Reisepass: Ein gültiger Lichtbildausweis ist immer erforderlich.
Meldebescheinigung: Die meisten deutschen Banken verlangen eine Meldebescheinigung als Nachweis des Wohnsitzes in Deutschland. Das macht die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt zum allerersten bürokratischen Schritt nach der Ankunft.
Steueridentifikationsnummer: Für die Kontoeröffnung wird in der Regel die deutsche Steuer-ID benötigt. Diese wird automatisch nach der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt zugesandt – aber das dauert bis zu drei Monate. Manche Banken akzeptieren auch eine ausländische Steuer-ID vorübergehend.
Einkommensnachweis: Manche Banken fragen nach einem Einkommensnachweis – besonders bei Konten mit Kreditrahmen oder Kreditkarte.
Identitätsprüfung: Die Identität wird entweder per Video-Ident (kurzes Videogespräch über eine App), per PostIdent (Identifikation bei der Post) oder in der Filiale geprüft.
In Deutschland hat jede Person das gesetzliche Recht auf ein Basiskonto – auch wenn sie eine negative SCHUFA hat, obdachlos ist oder kein reguläres Einkommen hat. Das Basiskonto-Recht ist im Zahlungskontengesetz verankert und verpflichtet alle in Deutschland zugelassenen Banken, ein Basiskonto anzubieten.
Das Basiskonto bietet alle grundlegenden Funktionen: Überweisungen senden und empfangen, Lastschriften, eine Debitkarte und Online-Banking. Es hat jedoch keine Kontoüberziehungsmöglichkeit und ist oft mit höheren Gebühren verbunden.
Das Basiskonto ist besonders relevant für: Menschen mit negativer SCHUFA, Bürgergeld-Bezieher, Obdachlose sowie Menschen ohne feste Adresse.
In Deutschland und der gesamten EU erfolgen Überweisungen über das SEPA-System (Single Euro Payments Area). Für eine Überweisung benötigst du:
IBAN (International Bank Account Number): Eine eindeutige Kontonummer, die für SEPA-Überweisungen verwendet wird. Eine deutsche IBAN beginnt immer mit DE gefolgt von 22 Ziffern.
BIC (Bank Identifier Code): Identifiziert die Bank des Empfängers. Innerhalb der SEPA-Zone ist der BIC für Inlandsüberweisungen oft nicht mehr notwendig – nur die IBAN reicht.
Deine IBAN findest du auf deiner Bankkarte, in der Banking-App oder auf deinen Kontoauszügen.
Fast alle Banken in Deutschland bieten Online-Banking und Banking-Apps an. Über die App oder die Website kannst du alle wichtigen Kontofunktionen erledigen: Kontostand abfragen, Überweisungen durchführen, Daueraufträge einrichten, Kontoauszüge herunterladen und vieles mehr.
Für die Sicherheit beim Online-Banking wird in Deutschland das TAN-Verfahren (Transaktionsnummer) verwendet. Jede Überweisung oder wichtige Kontoaktion muss durch eine TAN bestätigt werden – entweder per SMS, per Banking-App (Push-TAN) oder per physischem TAN-Generator.
Die SCHUFA ist die wichtigste Kreditauskunftei in Deutschland. Sie speichert Informationen über das Zahlungsverhalten von Personen und stellt Banken und anderen Unternehmen auf Anfrage Bonitätsauskünfte zur Verfügung.
Bei der Kontoeröffnung fragen die meisten Banken die SCHUFA ab. Ein negativer SCHUFA-Eintrag kann dazu führen, dass das Girokonto abgelehnt wird – außer beim gesetzlich garantierten Basiskonto.
Für Expats ohne SCHUFA-Geschichte: Das Fehlen einer SCHUFA-Geschichte bedeutet in der Regel keine negativen Einträge – und die meisten Direktbanken eröffnen Konten auch für Menschen ohne SCHUFA-Historie problemlos.
Viele Girokonten haben einen Dispositionskredit (Dispo) – einen Überziehungsrahmen, der es ermöglicht, das Konto bis zu einem bestimmten Betrag ins Minus zu ziehen. Der Dispo ist praktisch für kurzfristige Engpässe – aber er hat seinen Preis.
Die Dispozinsen in Deutschland sind erheblich – oft zwischen 8 und 14 % pro Jahr. Das macht den Dispo zu einem der teuersten Kredite überhaupt. Wer dauerhaft im Dispo lebt, zahlt enorme Zinskosten.

Die richtige Nutzung des Dispos: Nutze ihn nur in echten Notfällen und tilge das Minus so schnell wie möglich. Für regelmäßige kurzfristige Finanzierungen gibt es günstigere Alternativen – zum Beispiel ein Ratenkredit oder ein Tagesgeldkonto als Puffer.
Das Girokonto selbst erzeugt keine relevante Steuerpflicht – solange keine Zinsen anfallen. Wenn dein Girokonto jedoch verzinst wird (was bei manchen Konten der Fall ist), unterliegen diese Zinsen der Abgeltungsteuer.
Stelle sicher, dass du bei deiner Girokonto-Bank einen Freistellungsauftrag eingerichtet hast, um die Zinsen bis zum Sparerpauschbetrag steuerfrei zu stellen.
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Kontogebühren nie geprüft: Viele Menschen zahlen monatlich Kontoführungsgebühren, ohne jemals geprüft zu haben, ob es günstigere oder kostenlose Alternativen gibt. Ein Vergleich bei CHECK24 dauert wenige Minuten.
Dispo dauerhaft genutzt: Wer dauerhaft im Dispo lebt, zahlt sehr hohe Zinsen. Das Dispo-Minus sollte immer so schnell wie möglich ausgeglichen werden.
Kein Freistellungsauftrag eingerichtet: Auch wenn das Girokonto kaum Zinsen zahlt, sollte ein Freistellungsauftrag eingerichtet sein.
Veraltetes Konto nie gewechselt: Viele Menschen haben ihr Girokonto seit Jahrzehnten bei derselben Bank – obwohl modernere, kostenlose Alternativen deutlich besser wären.
Kein P-Konto bei Pfändungsrisiko: Wer von Pfändungen bedroht ist, sollte sein Konto in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) umwandeln lassen, um das Existenzminimum zu schützen.
Weitere offizielle Informationen zum Girokonto, zum Basiskonto-Recht und zur Einlagensicherung findest du bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie beim Bundesverband deutscher Banken.
Das Girokonto ist das Herzstück des deutschen Finanzlebens – und die richtige Wahl kann über Jahrzehnte Gebühren sparen und den Alltag deutlich vereinfachen. Für die meisten Menschen – besonders für Expats und Neuankömmlinge – sind kostenlose Direktbanken wie die DKB die erste Wahl: kein Mindestgeldeingang, kostenlose Debitkarte, weltweites Bargeldabheben und eine benutzerfreundliche App. Wer regelmäßig vergleicht, stellt sicher, dass er immer die besten Konditionen nutzt – einen aktuellen Vergleich findest du bei CHECK24. Für alle steuerlichen Aspekte rund um dein Bankkonto ist WISO Steuer dein zuverlässiger Begleiter. Und wer zusätzlich einen rechtlichen Schutz bei Streitigkeiten mit der Bank benötigt, findet bei KS Auxilia den passenden Rechtsschutz.