
Der Tod ist ein Thema, über das die wenigsten Menschen gerne nachdenken – und genau deshalb haben in Deutschland überraschend viele Menschen kein Testament. Dabei ist ein Testament eines der wichtigsten Dokumente, die du in deinem Leben verfassen kannst. Es stellt sicher, dass dein Vermögen nach deinem Tod so verteilt wird, wie du es dir wünschst, schützt deine Liebsten vor langen Erbstreitigkeiten und kann erhebliche steuerliche Vorteile bringen. Ohne Testament greift automatisch die gesetzliche Erbfolge – und die entspricht in vielen Fällen nicht dem, was der Verstorbene eigentlich gewollt hätte. In diesem Beitrag erklären wir dir ausführlich, was ein Testament ist, welche Arten es gibt, was beim Schreiben zu beachten ist, welche häufigen Fehler du vermeiden solltest und wann ein Notar sinnvoll ist.
Ein Testament – auch letzter Wille genannt – ist eine einseitige Erklärung, in der eine Person festlegt, was nach ihrem Tod mit ihrem Vermögen geschehen soll. Es ist das zentrale Instrument des deutschen Erbrechts, mit dem du die gesetzliche Erbfolge nach deinen eigenen Wünschen abändern kannst.
Warum ist ein Testament so wichtig? Weil ohne ein gültiges Testament in Deutschland automatisch die gesetzliche Erbfolge gilt. Diese ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den §§ 1924 ff. geregelt und folgt einem festen Schema, das auf Verwandtschaftsgraden basiert. Das führt in der Praxis häufig zu ungewollten Ergebnissen:
Ein Testament gibt dir die Kontrolle darüber, wer was bekommt – und wer nicht.
Um zu verstehen, warum ein Testament so wichtig ist, lohnt ein Blick auf die gesetzliche Erbfolge. Das deutsche Erbrecht kennt verschiedene Erbordnungen, die in einer festen Reihenfolge berücksichtigt werden:
Erste Ordnung: Kinder des Verstorbenen und deren Nachkommen. Kinder erben zu gleichen Teilen. Ist ein Kind bereits verstorben, rücken dessen Kinder – also die Enkel – nach.
Zweite Ordnung: Eltern des Verstorbenen und deren Nachkommen – also Geschwister, Nichten und Neffen. Diese kommen nur zum Zug, wenn keine Erben der ersten Ordnung vorhanden sind.
Dritte Ordnung: Großeltern des Verstorbenen und deren Nachkommen.
Ehegatten erben neben den Kindern in der Regel ein Viertel des Nachlasses, neben den Eltern die Hälfte – sofern sie in der Zugewinngemeinschaft gelebt haben, was der gesetzliche Güterstand bei Eheschließung in Deutschland ist.
Eingetragene Lebenspartner sind Ehegatten gleichgestellt. Unverheiratete Partner hingegen haben keinerlei gesetzliches Erbrecht und gehen leer aus, wenn kein Testament vorhanden ist.
Das deutsche Recht kennt verschiedene Formen des Testaments. Die Wahl der richtigen Form hängt von deiner persönlichen Situation, dem Umfang des Vermögens und dem gewünschten Maß an Rechtssicherheit ab.
Das eigenhändige Testament ist die einfachste und günstigste Form. Es muss vollständig handschriftlich verfasst, mit Datum und Ort versehen und eigenhändig unterschrieben sein. Ein Notar ist nicht erforderlich.
Klingt einfach – ist aber mit Tücken verbunden. Wer sein Testament am Computer tippt und dann unterschreibt, hat kein gültiges Testament. Wer das Datum vergisst, riskiert Anfechtungen. Und wer unklare Formulierungen verwendet, kann nach seinem Tod keine Erklärungen mehr nachliefern.
Das eigenhändige Testament eignet sich gut für klare und unkomplizierte Verhältnisse – zum Beispiel wenn du deinen Partner als Alleinerben einsetzen möchtest und keine komplexen Vermögensverhältnisse vorliegen.
Beim notariellen Testament beurkundest du deinen letzten Willen vor einem Notar. Du kannst dem Notar deine Wünsche mündlich mitteilen, und er formuliert das Testament rechtssicher. Das Testament wird dann amtlich im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer verwahrt und ist dadurch vor Verlust oder Manipulation geschützt.
Der Vorteil des notariellen Testaments ist die hohe Rechtssicherheit: Ein Notar prüft die rechtliche Wirksamkeit, berät dich zu möglichen Problemen und stellt sicher, dass das Testament klar und eindeutig formuliert ist. Außerdem ersetzt ein notarielles Testament in vielen Fällen den Erbschein, was den Erben nach dem Tod erhebliche Kosten und Mühe ersparen kann.
Der Nachteil sind die Kosten: Die Notargebühren richten sich nach dem Wert des Nachlasses. Bei einem Nachlasswert von 100.000 Euro liegen die Kosten für ein einfaches Testament bei etwa 273 Euro, bei 500.000 Euro bei etwa 935 Euro.
Das gemeinschaftliche Testament ist ausschließlich Eheleuten und eingetragenen Lebenspartnern vorbehalten. Es ermöglicht beiden Partnern, ihren letzten Willen in einem einzigen Dokument festzulegen. Die bekannteste Form ist das sogenannte Berliner Testament, bei dem sich die Eheleute gegenseitig als Alleinerben einsetzen und die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Partners erben.
Das Berliner Testament hat Vor- und Nachteile. Einerseits stellt es sicher, dass der überlebende Partner zunächst vollständig abgesichert ist und nicht um seinen Anteil am gemeinsamen Vermögen kämpfen muss. Andererseits kann es steuerlich nachteilig sein, da die Freibeträge der Kinder beim Tod des ersten Elternteils nicht genutzt werden und eine spätere Änderung des Testaments durch den überlebenden Partner eingeschränkt sein kann.
In einer Notlage – zum Beispiel wenn jemand im Sterben liegt und keinen Notar mehr erreichen kann – gibt es die Möglichkeit des Drei-Zeugen-Testaments. Dabei erklärt der Erblasser seinen letzten Willen vor drei anwesenden Zeugen. Das Nottestament verliert seine Gültigkeit jedoch drei Monate nach Wegfall der Notlage, wenn der Erblasser überlebt.

Ein gültiges Testament muss nicht zwingend viel Text enthalten – aber es muss bestimmte formale Anforderungen erfüllen, um rechtswirksam zu sein.
Beim eigenhändigen Testament sind folgende Angaben zwingend:
Inhaltlich sollte das Testament mindestens folgende Punkte klären:
Auch wenn du ein Testament verfasst, kannst du bestimmte nahe Angehörige nicht vollständig enterben. Das deutsche Recht sieht für Kinder, Ehepartner und in bestimmten Fällen Eltern einen sogenannten Pflichtteil vor. Dieser beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils und kann in Form eines Geldbetrags eingefordert werden, wenn die berechtigte Person im Testament nicht oder zu gering bedacht wurde.
Den Pflichtteil vollständig zu umgehen ist in Deutschland nahezu unmöglich. Wer jedoch frühzeitig plant und Vermögen zu Lebzeiten überträgt, kann unter bestimmten Umständen den Pflichtteilsanspruch reduzieren. Hierfür ist juristische Beratung unerlässlich.
Viele handgeschriebene Testamente sind ungültig oder führen zu Streitigkeiten, weil formale oder inhaltliche Fehler gemacht wurden. Die häufigsten Fehler im Überblick:
Testament am Computer geschrieben: Wie bereits erwähnt, muss das eigenhändige Testament vollständig handschriftlich sein. Ein getipptes Testament ist unwirksam, selbst wenn es unterschrieben wurde.
Datum oder Unterschrift fehlt: Fehlt das Datum, kann es zu Problemen kommen, wenn mehrere Testamente existieren und unklar ist, welches das neueste ist. Fehlt die Unterschrift, ist das Testament ungültig.
Unklare Formulierungen: Aussagen wie „Mein Sohn soll mein Auto bekommen“ sind zwar verständlich, aber was ist, wenn du mehrere Söhne hast oder das Auto bereits verkauft wurde? Klare und eindeutige Formulierungen sind essenziell.
Pflichtteilsansprüche übersehen: Wer Kinder oder den Ehepartner enterbt, ohne das Pflichtteilsrecht zu berücksichtigen, sorgt häufig für Erbstreitigkeiten.
Kein sicherer Aufbewahrungsort: Ein Testament, das niemand findet, hilft niemandem. Bewahre dein Testament an einem sicheren, bekannten Ort auf – zum Beispiel beim Nachlassgericht oder in amtlicher Verwahrung.
Die beste Option für die Aufbewahrung eines eigenhändigen Testaments ist die amtliche Verwahrung beim zuständigen Nachlassgericht. Gegen eine geringe Gebühr – in der Regel um die 75 Euro einmalig – wird das Testament sicher verwahrt und nach deinem Tod automatisch eröffnet. Das Testament wird außerdem im Zentralen Testamentsregister registriert, sodass das Nachlassgericht nach deinem Tod automatisch informiert wird.
Alternativ kann das Testament zu Hause in einem feuerfesten Safe aufbewahrt werden – aber nur, wenn sichergestellt ist, dass eine Vertrauensperson weiß, wo es sich befindet.

Ein Notar ist in folgenden Situationen besonders empfehlenswert:
Die Kosten für einen Notar sind im Vergleich zum möglichen Streitwert bei einem Erbstreit in den meisten Fällen gut investiert.
Auch wer ein Testament verfasst, sollte die steuerlichen Aspekte des Erbrechts im Blick haben. In Deutschland gilt die Erbschaftsteuer, die abhängig vom Verwandtschaftsgrad und der Höhe des Erbes anfällt. Die wichtigsten Freibeträge im Überblick:
Alles, was über diese Freibeträge hinausgeht, wird nach dem Erbschaftsteuergesetz besteuert. Die Steuersätze liegen je nach Steuerklasse und Höhe des Erbes zwischen 7 % und 50 %. Wer frühzeitig plant und Vermögen bereits zu Lebzeiten überträgt, kann die Freibeträge alle zehn Jahre erneut nutzen und so die Erbschaftsteuer erheblich reduzieren.
Um die steuerlichen Aspekte deines Nachlasses vollständig im Griff zu haben, empfiehlt sich neben einem Testament auch eine professionelle Steuerberatung. WISO Steuer kann dir dabei helfen, Schenkungen und Erbschaften korrekt in der Steuererklärung zu erfassen und alle relevanten Freibeträge zu nutzen.
Wer darüber hinaus sicherstellen möchte, dass seine Hinterbliebenen im Todesfall finanziell abgesichert sind, sollte auch über eine Risikolebensversicherung nachdenken. CHECK24 bietet einen schnellen Vergleich verschiedener Lebensversicherungsangebote. Auch AXA bietet umfassende Vorsorgelösungen für den Todesfall an, die gut mit einem Testament kombiniert werden können.
Weitere offizielle Informationen zum deutschen Erbrecht findest du beim Bundesministerium der Justiz.
Ein Testament ist kein Thema für das Alter – es ist ein Dokument, das jeder Erwachsene haben sollte, der Vermögen besitzt oder Menschen hat, die ihm wichtig sind. Es gibt dir die Kontrolle über deinen Nachlass, schützt deine Liebsten vor langen Erbstreitigkeiten und stellt sicher, dass dein letzter Wille auch tatsächlich respektiert wird. Ob eigenhändig verfasst oder notariell beurkundet – das Wichtigste ist, dass du es überhaupt tust. Wer seine Finanzen gleichzeitig im Blick behalten und steuerliche Aspekte des Erbens und Schenkens verstehen möchte, ist mit WISO Steuer gut beraten. Für die finanzielle Absicherung deiner Hinterbliebenen lohnt sich ein Blick auf die Angebote von CHECK24 oder AXA.